Bernd Imgrund zeigt neues BuchBildband über Köln zeigt Skurriles, Skandalöses und Alltägliches

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Eine unterhaltsame Buchvorstellung lieferten Bernd Imgrund (l.) und Jürgen Becker im Greven-Haus ab.

Eine unterhaltsame Buchvorstellung lieferten Bernd Imgrund (l.) und Jürgen Becker im Greven-Haus ab.

Drei Bildbände mit Archivfotos zeigen Köln in den 70er, 80er und 90er Jahren: Bernd Imgrund stellt sein neues Köln-Buch vor.  

Wenn bei einer Buchvorstellung andauernd geplappert und gelacht wird, ist entweder irgendetwas komplett schiefgelaufen - oder aber, das Werk gibt genau dazu Anlass. Letzteres ist sicher der Fall, wenn Bernd Imgrund seine drei Bände „Kölner Schlagzeilen“ aus den 70er, 80er und 90er Jahren gemeinsam mit dem Kabarettisten Jürgen Becker im Greven Verlag vorstellt. 

Munter spielen sich die beiden die Bälle zu, mal mit Augenzwinkern, mal mit ernstem Hintergrund. Dass früher nämlich nicht alles besser war, ist aus den drei Bildbänden genauso herauszulesen wie eine gewisse Einfachheit der gesellschaftlichen Darstellung. Gut und Böse waren klar getrennt, die Politik noch richtungsgebunden, die Mobilitätsfrage war keine, es gab nur Autos. Fast, jedenfalls. 

Die drei neuen Bände von Bernd Imgrund.

Die drei neuen Bände von Bernd Imgrund.

So mündet die vermeintlich trockene Angelegenheit ganz schnell in ein mehr oder weniger zufälliges, aber höchst amüsantes Durchblättern der Bücher mit gegenseitigem Zurufen. „Weißte noch, die alte Sporthalle: Was waren da für Konzerte...“ Beim einen kommen Erinnerungen an Santana hoch, beim anderen an Kiss und deren damals völlig unbekannte Vorband Iron Maiden - „Generationenfrage“, meint Imgrund süffisant zum gar nicht so viel älteren Becker, und wieder müssen beide lachen. 

Die „Kölner Schlagzeilen“ sind aber kein verklärtes Zurücksehnen, sondern ein Querschnitt dessen, was die Stadt in diesen drei Jahrzehnten bewegt hat. Inklusive aller negativen Begleiterscheinungen, aber immer wieder auch mit herrlich komischen und rührenden Momenten, mit viel Liebe und Humor aus alten Archiven ausgegraben. Zum überwiegenden Teil aus dem der Kölnischen Rundschau, aber auch aus anderen Quellen, jeweils angereichert mit kurzen Erklärstücken von Bernd Imgrund. 

Von Kitsch keine Spur 

Es sind viele Pressefotografien, die in ihren nüchternen, bisweilen grobkörnigen Schwarz-Weiß-Schnitten durchaus hart anmuten - eine Eigenschaft, auf die sich die gesamte Aufmachung der drei Bände bezieht. Rau, ungeschminkt und bisweilen unbequem. „Die Gestaltung haben wir ganz bewusst so gewählt“, sagt Verlagsleiter Damian van Melis. Ein wenig Bauchschmerzen habe man gehabt bei dem Projekt, „als der wohl kitschfreieste Regionalverlag Deutschlands“. Von Kitsch aber keine Spur, und auch das Fehlen der sonst allgefälligen Kölner Selbstbeweihräucherung fällt angenehm auf.  

Was sonst noch auffällt: Speziell im letzten Band, die 90er Jahre, sind immer noch die Wunden und Spuren des Krieges zu erkennen. Kölns Charakterköpfe haben sich auf ewig ins Stadtgedächtnis eingegraben, es gab auch hier durchaus politisch turbulente Zeiten und gesoffen wurde an Karneval schon immer. Zum Schluss noch ein bislang streng gehütetes Geheimnis von Jürgen Becker: Dessen Running Gag „für mich persönlich es dat total uninteressant“, zu hören in jeder Mitternachtsspitze gefühlt mindestens drei mal, stammt gar nicht von ihm. Sondern von Fred Fussbroich, der gemeinsam mit Gattin Annemie den Einband des dritten Buches ziert.  


Bernd Imgrund: Kölner Schlagzeilen. Drei Bände, einzeln oder zusammen im Schuber. Herausgegeben von der Historischen Gesellschaft Köln, Greven Verlag. Etwa 150 Seiten pro Band, Einzelpreis 24 Euro, zusammen 68 Euro.

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