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Böllerverbot in AltstadtKrisenstabsbilanz: Intensivbetten knapp – Impfzentren geplant

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Köln Skyline (1)

Ein Blick auf Köln.

Köln – „Vorsichtig optimistisch“, zeigte sich Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Die Dynamik im Kölner Infektionsgeschehen habe sich deutlich verringert. Die Inzidenzzahl liegt mit 159,0 erstmals wieder unter dem NRW-Schnitt (166,5). Dagegen steigen die Zahlen der Infizierten, das Gesundheitsamt meldet sechs weitere Todesfälle: ein 85-Jähriger, ein 88-Jähriger, ein 77-Jähriger, ein 74-Jähriger, ein 62-Jähriger, alle vorerkrankt, und ein 54-Jähriger ohne bekannte Vorerkrankungen.

Warum sinkt der Inzidenzwert in Köln?

Die Stadt glaubt: Der Teil-Lockdown zeigt nach 18 Tagen seine Wirkung. Noch vor drei Wochen hatte ein Infizierter in Köln im Durchschnitt 13,6 Kontaktpersonen, aktuell sind es nur noch 4,6. „Die Kölnerinnen und Kölner haben ihr Verhalten verändert. Sie haben mich nicht enttäuscht“, freute sich Reker. Ausbrüche, die auf Feiern am 11.11. zurückzuführen sind, seien ausgeblieben. „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen noch bis in den Dezember verlängert werden“, so Reker und warnte: Die Zahl der Neuinfektionen sei nach wie vor zu hoch. „Es wird auf die kommende Woche ankommen.“

Wie ist die Lage in den Kölner Krankenhäusern?

In den Krankenhäusern sei die Lage angespannt: Die Patientenzahlen steigen trotz sinkender Dynamik. Laut Dr. Christian Miller, Chef der Kölner Feuerwehr, sind bei einer Kapazität von 300 Betten aktuell nur noch 28 Intensivbetten frei. Die Entlastung durch den Lockdown zeige sich durch den Verlauf der Krankheit in den Kliniken erst drei bis vier Wochen später.Was plant die Stadt für die Silvesternacht?

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Die Stadt bereite für Silvester ein Böllerverbot für die gesamte Altstadt vor, sagte OB Reker. Der Krisenstab diskutiere bereits eine Öffentlichkeitskampagne, ähnlich zum 11.11.: „Wir wollen zum verantwortungsvollen Feiern animieren.“ Für andere Bereiche der Stadt seien noch keine Einschränkungen geplant. Man wolle in erster Linie Menschenansammlungen vermeiden. Familien wolle man ein privates Feuerwerk im Veedel nicht verbieten – alle hätten sich das „in diesem Jahr redlich verdient“. Die Stadt, so die OB, werde vor einer Entscheidung jedoch die Beschlüsse aus Düsseldorf abwarten.

Kann das Gesundheitsamt alle Infizierten erreichen?

Durch mehr Personal und verbesserte Arbeitsprozesse sei das wieder möglich. Am Mittwoch konnten beispielsweise bis auf zehn Indexpersonen alle Infizierten innerhalb von 24 Stunden erreicht werden – noch vor ein paar Wochen waren es Hunderte, die auf eine Meldung länger warten mussten. Dass der Inzidenzwert weiter sinke, sei deshalb auch das Verdienst des Gesundheitsamtes, so Reker. Man habe, anders als andere Städte, am Index- und Kontaktmanagement festgehalten, mehr Personal eingestellt und Prozesse digitalisiert.

Maskenpflicht-Kontrollen

Erneut haben Einsatzkräfte von Bundespolizei, Deutsche Bahn und Ordnungsamt die Maskenpflicht im Kölner Hauptbahnhof um im Umfeld kontrolliert. Am Dienstag und Mittwoch stellten die Kräfte 87 Verstöße gegen die Maskenpflicht fest. In genau 83 Fällen kam es zu Verstößen auf den Bahnsteigen und in den Gängen im Bahnhof. Den Betroffenen droht ein Bußgeld von 150 Euro. In vier Fällen wurden Masken-Verweigerer in den Geschäften entdeckt.

In 20 Fällen standen Einsatzkräfte Verstöße gegen das Ansammlungs- und Kontaktverbot fest. Hier droht ein Bußgeld von 250 Euro. (ta)

So könnten die Mitarbeiter jetzt mit 3000 Kölnern online kommunizieren, so Gesundheitsamtsleiter Dr. Johannes Nießen. Kontaktpersonen könnten das Amt schneller über den Krankheitsverlauf informieren, zum Beispiel, ob sie Fieber bekommen. Die Anzahl der positiven Tests in den vergangenen sieben Tagen ist mittlerweile auf 9,1 Prozent gestiegen – ein Hinweis auf gezieltes Testen, so Nießen. Das Testangebot der Stadt soll auch auf Antigen-Schnelltests ausgeweitet werden.

Wie ist das Infektionsgeschehen in den Schulen?

In den Schulen seien die Zahlen der Infektionen insgesamt stabil – trotz des laufenden Schulbetriebs. Größere Ausbrüche habe es nicht gegeben. „Keine einzige Schule in Köln wurde bisher dauerhaft geschlossen“, so Reker. Zusammen mit der Regierungspräsidentin werden man in der kommenden Woche dennoch beraten, an welchen Schulen man einen gestaffelten Schulbeginn einführen könnte.

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Werden Impfzentren in Köln geplant?

Mit einer ersten Impfung in Köln rechne sie erst Anfang des Jahres, so Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Dennoch arbeite man bereits auf Hochtouren an der Organisation von Impfzentren für Köln. „Vielleicht ist es noch etwas früh, da noch kein Impfstoff zugelassen ist, aber wir bereiten uns offensiv darauf vor“, so Miller. Zunächst wolle man mit einem Impfzentrum starten, es gebe aber auch schon Pläne, dass sowohl links- als auch rechtsrheinisch jeweils ein Zentrum entstehen soll. Geimpft werden solle dann zunächst zielgruppenorientiert.