Köln – So ganz einverstanden ist Henriette Reker nicht mit allen Beschlüssen, die das Land am Freitag getroffen hat. Das merkt man der Oberbürgermeisterin bei der Pressekonferenz im Historischen Rathaus an. „Ich trage den Weg der Landesregierung natürlich mit“, will sie nicht missverstanden werden – dennoch würde sie sich „einige wenige Ausnahmen explizit für Köln“ wünschen. Etwa, dass mehr als 250 Menschen die Philharmonie oder die Lanxess-Arena besuchen dürfen. Oder dass kleinere Kulturstätten für mehr als 20 Prozent der Zuschauer öffnen könnten. „Das ist schwer zu akzeptieren“, so die Oberbürgermeisterin. „Denn bisher sind uns keine Ausbrüche in diesem Bereich bekannt.“
Bis auf wenige Ausnahmen werden die neuen Corona-Maßnahmen, die Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag vorgestellt hat, in Köln schon seit dem vergangenen Wochenende umgesetzt. Eine Ausnahme ist die Sperrstunde ab 23 Uhr.
Neue Sperrstunde gilt ab Samstag
Stühle hoch, Licht aus – alle gastronomischen Betriebe müssen ab sofort täglich von 23 bis 6 Uhr geschlossen bleiben. Das gilt für das gesamte Stadtgebiet. In dieser Zeit dürfen auch Kioske und Tankstellen keinen Alkohol verkaufen. Zuvor hatte die Stadt die Sperrstunde auf 1 Uhr gelegt – eine Zeit, die viele Gastronomen noch mittragen konnten.
Klage von Kölner Gastronom
Auch in Köln klagt jetzt ein Gastwirt gegen die Sperrstunde. Der Gastronom richte sich noch gegen die „alte“ von 1 bis 6 Uhr und den in dieser Zeit untersagten Verkauf von alkoholischen Getränken, sagte eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts Köln. Die Stadt hat eine Frist bis zum Dienstag, um auf die Klage zu reagieren. Bei dem Gastwirt handelt sich um einen Restaurantbesitzer von der Friesenstraße.
Arena-Chef schreibt Brand-Brief
Die Arena hat sich mit einem Brandbrief gemeinsam mit dem Sparkassen-Park in Mönchengladbach an die Politik gewendet. Zwei der größten Spielstätten in Nordrhein-Westfalen beziehen sich dabei auf die aktuelle Situation der Veranstaltungsorte, die aufgrund ihrer Größe noch in keinem Förderprogramm bedacht wurden. Dabei seien es gerade die großen Spielstätten, die durch hohe Fixkosten besonders durch die Situation belastet sind und durch die neuen Verordnungen bis auf Weiteres keine Veranstaltungen mit Zuschauern ausrichten können.
Infektionsquellen sind weiterhin private Feiern
Aktuelle Zahlen (siehe Grafik) zeigen, dass die Ansteckungsquellen der vergangenen Woche an anderen Stellen zu finden sind: Ausbrüche gab es bei mehreren privaten Feiern, in jeweils zwei Krankenhäusern und Altenheimen. Größere Ausbrüche mit mehr als drei Infizierten stellte das Gesundheitsamt bei den Abfallwirtschaftsbetriebe fest, in einer Flüchtlingsunterkunft, einem Sportverein und einer Tanzschule. Die Altersgruppe mit den meisten Infektionen ist noch jung: 72 Prozent sind jünger als 50 Jahre alt. Henriette Reker fordert die Bürger auf, sich auch im privaten Raum an die Kontaktbeschränkungen zu halten: „Wir müssen jetzt Kontakte vermeiden, um die Zahlen zu senken.“
Maskenpflicht: Polizei hilft bei den Kontrollen
Die Regeln sind nur eine Sache, ihre Kontrollen eine ganz andere. „Wir brauchen Unterstützung“, sagte Reker. Hilfe bekommt die Stadt und ihr Ordnungsamt bei den Kontrollen jetzt auch verstärkt von der Bundes- und der Landespolizei. Sie werden sowohl die Maskenpflicht im öffentlichen Raum als auch die Einhaltung der Sperrstunde kontrollieren.
Schule und Kindergärten sollen offen bleiben
„Wir wollen unter allen Umständen eine erneute Schließung verhindern“, sagte Reker. Der Krisenstab der Stadt will nun im Abstimmung mit dem Land prüfen, ob die Maskenpflicht an den Schulen nach den Herbstferien wieder eingeführt werden kann. Aktuell sind 104 Schüler und Schülerinnen an 67 Schulen am Corona-Virus erkrankt. Des Weiteren sind 24 Lehrer oder Hausmeister an 23 Schulen erkrankt. In der kommenden Woche will die Stadt ein Präventionsprojekt für Schulen vorstellen, das den Namen „Coschul“ trägt. Kitas und Kindergärten sind dagegen seltener betroffen: Aktuell sind es zwei Kinder in zwei Einrichtungen.
Testzentrum am Bahnhof ausgelastet
Die Corona-Teststation am Hbf ist komplett ausgelastet. 700 bis 800 Tests werden dort täglich durchgeführt. Das teilte Dr. Volker Ruster mit, stellvertretender Leiter der Berufsfeuerwehr. Der Flughafen habe noch Testkapazitäten: 2100 Corona-Tests pro Tag seien möglich, zur Zeit sind es rund 1500. Zwei bis drei Prozent der Ergebnisse seinen positiv – in den Zahlen vom Donnerstag zeige sich wöchentlich das Geschehen am Wochenende, so Gesundheitsamtsleiter Dr. Johannes Nießen.
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Rückverfolgung in vielen Fällen schwierig
In vier von zehn Erkrankungen können laut Henriette Reker die Infektionsfälle nicht zurückverfolgt werden. Dies liege unter anderem an falschen oder unvollständigen Angaben, die die Personen bei einer Befragung durch das Gesundheitsamt machen. Dies gelte auch für Papiere die Gäste in Restaurants ausfüllen müssen. Reker verurteilt dieses Verhalten scharf: „Ich kann mir fast nichts Schlimmeres vorstellen.“ Bei der Nachverfolgung der Kontaktpersonen hilft auch weiterhin die Bundeswehr mit, sie soll auch in noch größerem Umfang eingebunden werden, so Dr. Johannes Nießen. Zuletzt habe man alle positiv Getesteten tagesaktuell erreichen können, bei Kontaktpersonen dauere es zwei bis drei Tage. „Die Situation ist angespannt, aber wir schaffen das noch.“

