Veranstaltung der Uni KölnSo sollen Schülerinnen und Schüler von Latein überzeugt werden

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Schülerinnen und Schüler betrachten ein Papyrusfragment aus der Sammlung der Uni Köln.

Schülerinnen und Schüler betrachten ein Papyrusfragment aus der Sammlung der Uni Köln.

Schülerinnen und Schüler aus ganz NRW waren im Institut für Altertumskunde (IfA) zu Gast, um eine Reise in die Vergangenheit zu wagen.

„Agricola laborat“ (Der Bauer arbeitet) – dieser Standard-Satz aus dem Lateinbuch wird auch heute noch gelehrt, doch das Lateinische hat um Wahrnehmung zu kämpfen – an den Schulen, an den Universitäten, in der Öffentlichkeit. Dabei bietet diese Sprache den Schlüssel zu einer Zivilisation, die uns bis heute prägt. Davon ist auch das Institut für Altertumskunde (IfA) an der Universität zu Köln überzeugt. Daher lud es vor wenigen Tagen Schüler aus ganz NRW erstmals zu einem „Schnuppertag“ nach Köln.

„In Potsdam und in Rostock wurde das schon mit großem Erfolg gemacht, daher wollen wir dieses Konzept auch in Köln probieren“, sagte Professor Dr. Jürgen Hammerstaedt, Organisator des Lateintages. Um den Schülerinnen und Schülern, darunter auch Jugendlichen von Kölner Schulen, wie etwa der Liebfrauenschule, des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums, der Ursulinenschule, der Kaiserin-Theophanu-Schule und des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums einen Bezug zu ihrer heutigen Lebenswirklichkeit zu bieten, wurde ein griffiges Thema gewählt: Mensch und Umwelt.

Reise in alte Zeiten: Schülerinnen und Schüler befassen sich mit Menschen und der Umwelt

In einstündigen Seminaren erhielten die mehr als 100 Teilnehmenden Einblick in die Bedeutung des Waldes in antiker Zeit oder die Darstellung von Bodenschätzen in der antiken Dichtung. Es ging aber auch um Zerstörung als literarisches Thema oder Mensch und Umwelt in der griechischen Tragödie Antigone.

Die Botschaft: Viele Fragen kommen uns bekannt vor, viele Antworten überraschenderweise auch. Professor Dr. Anja Bettenworth erläuterte ihren Gästen unterschiedliche Auffassungen zur Waldnutzung in antiker Zeit. Während der Historiker Plinius darin Vorteile sah, verurteilte der Dichter Ovid die Verwendung von Holz etwa für Schiffbau als Frevel an der Natur. Warum? „Vielleicht weil man dann fremde Länder besucht und dorthin geht, wo man nicht hingehört“, deckt Lucas Thomalla (19) aus Bad Münstereifel die immanente Zivilisationskritik auf. Mit Grundkurs Latein und Berufswunsch Elektrotechnik gehört er nicht zum typischen Philologennachwuchs. Aber er sieht einen Sinn darin, sich mithilfe dieser Sprache die Geschichte weit zurückliegender Epochen zu erschließen. Literarische Quellen in die Hand nehmen konnten die Schülerinnen und Schüler in der Papyrussammlung des Instituts.

Lateintag der Universität zu Köln: Buffet nach original römischen Rezepten

Anhand der herumgereichten Fragmente wurde ihnen klar, aus wie viel tausend Einzelteilen das heutige Wissen über Griechen und Römer zusammengesetzt ist. Und auch die Probleme, die aus der Mehrfachnutzung des teuren Schreibmaterials hervorgehen, wenn man einzelne Texte entziffern muss. Große Neugier weckte Sophokles’ Tragödie „Antigone“ bei einer Gruppe von Schülerinnen aus Ruppichteroth. Nicht nur wegen der feministischen Querbezüge, auf welche die Dozentin Dr. Hannah Brandenburg hinwies. Auch die Theaterpraxis im 5. Jahrhundert vor Christus stieß auf großes Interesse.

Etwa dass nur drei männliche Schauspieler sämtliche Rollen darstellen mussten, und Masken zur Kennzeichnung von Alter oder Geschlecht dienten. Damit die antike Welt auch kulinarisch erfahrbar wird, hatten die Uni-Dozenten ein Mittagsbuffet nach original römischen Rezepten vorbereitet, etwa Moretum et ciceribus – Hummus mit Kichererbsen. Nach der guten Resonanz soll der Lateintag regelmäßig wiederholt werden. Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris könnte im nächsten Jahr etwa das Thema „Sport“ auf dem Programm stehen.

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