Zentralbibliothek KölnWarum Sanierung die einzige Option ist

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Die 1979 eröffnete Zentralbibliothek am Neumarkt.

Die Zentralbibliothek am Neumarkt wird ab 2024 saniert, solange der Rat der Kostensteigerung zustimmt.

Alle anderen Überlegungen sind vom Tisch: Der Rat der Stadt Köln wird voraussichtlich am 16. Mai die Sanierung der Zentralbibliothek am Neumarkt beschließen. Dabei hat die Politik eigentlich nur eine Option, nämlich der Kostensteigerung auf 139 Millionen Euro für die Instandsetzung zuzustimmen.

Die Liste der Personen, die nun aufatmen können, ist schier endlos lang. Die gesammelte Kulturszene, die Naturschützer des BUND, Künstler René Böll, aber auch zahlreiche Rundschau-Leser und viele mehr hatten sich allesamt für eine Sanierung der Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof ausgesprochen. Dabei kursierten die Alternativen Abriss und Neubau oder ein genereller Umzug wochenlang. Nun ist klar: Es gibt nur eine Option, die Generalinstandsetzung des 1979 eröffneten Gebäudes.

Aus einer nicht-öffentlichen Vorlage für die Politik, die der Rundschau vorliegt, geht hervor, dass der Rat nur noch den Kosten zustimmen muss. Statt einer zwischenzeitlich angekündigten Auswahlmöglichkeit gibt es nun nur noch einen Beschluss über die Kostenfortschreibung. Dass der Stadtrat diese trotz stark angestiegener Kosten abnickt, gilt als sehr wahrscheinlich, denn eigentlich ist der Beschluss alternativlos. Denn dann müsste das Objekt über die nächsten zehn bis 15 Jahre mit Einzelmaßnahmen und im laufenden Betrieb saniert werden. 

Verzögerung beim Baubeginn macht 69 Prozent der Kostensteigerung aus

Die 2018 beschlossene Summe von geplanten 81,15 Millionen Euro muss um 58,64 Millionen Euro (71 Prozent) erhöht werden. Wie die Rundschau bereits Anfang März schrieb, sind die Kosten für die aufwendige Sanierung (siehe Infotext) auf 139,8 Millionen Euro gestiegen. Darin enthalten sind 8,9 Millionen Euro Risikozuschlag sowie ein Zuschlag für den Generalunternehmer (GU) von 24,13 Millionen Euro. Das entspricht den üblichen 20 Prozent, die ein solcher Unternehmer erhält, damit er Verantwortung und Haftung übernimmt, die sanierte Bibliothek eines Tages schlüsselfertig zu übergeben. Sicherheit ist kostspielig.

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Den Löwenanteil der Preiserhöhung macht jedoch der verschobene Baubeginn und die Bauzeitverzögerung aus. Einfacher: Die Preissteigerungen im Bausektor schlagen mit rund 40 Millionen Euro zu Buche – 69 Prozent der gesamten Preissteigerung. Die Generalinstandsetzung der Bibliothek soll bis 2027 abgeschlossen sein. Der Einzug könnte Ende 2027 erfolgen, die Eröffnung dann 2028.

Langfristiger Umzug wegen zu wenig Fläche ausgeschlossen

Die Verwaltung behandelt die Vorlage als nicht-öffentlich, da die Verhandlungen mit den Generalunternehmern angeblich noch laufen und eine Veröffentlichung der Kosten die Position der Stadt schwächen würde. Nach Rundschau-Informationen liegt jedoch bereits ein konkretes Angebot vor. Ohne könnte keine so genaue Kostenprognose inklusive des GU-Zuschlags bereitliegen.

Nach den vielen Spekulationen der vergangenen Monate heißt es in der Vorlage nun: „Aus Stadtentwicklungs- und Standortperspektive betrachtet fungiert die Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof [...] als lebendiger Baustein...“ Die Idee eines langfristigen Umzugs in das Interim an der Hohe Straße 68-82 wird aufgrund des fehlenden Flächenpotenzials ausgeschlossen. Denn die sanierte Bibliothek bietet 5500 Quadratmeter mehr als das Interim an der Hohe Straße samt Zusatzflächen im ehemaligen Modehaus Sauer.

Zudem würde Köln im Großstadtvergleich bei der Publikumsfläche der Bibliothekshauptstelle weiter zurück fallen. Die Stadtbibliothek hat 0,006 Quadratmeter pro Einwohner, und 12 Zweigstellen. Düsseldorfs Bibliothek hat laut der Vorlage 15 Zweigstellen und 0,013 Quadratmeter pro Einwohner, Stuttgart sogar 21 und 0,018.

Ein weiteres Argument für die Generalinstandsetzung ist die Nachhaltigkeit. Die Weiternutzung des „innovativ zu revitalisierenden“ Gebäudes sei erstrebenswert. Weitere Argumente gegen den Abriss sind 10,1 Millionen Euro, die bereits in die Planung der Sanierung gesteckt wurden und weitere mindestens neun Millionen Euro, die der Abriss kosten würde. Somit bleibt am Ende nur eine Option, die Sanierung im Bestand, der Erhalt der Bibliothek, den die verschiedensten Ebenen der Stadtgesellschaft gefordert haben.

Die Debatte um Abriss oder langfristigen Umzug ist damit endgültig beendet. Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärt: „Es war immer mein Ziel, die bestmögliche Lösung dafür zu finden, wie wir das erfolgreiche Konzept der Stadtbibliothek Köln konsequent weiterführen und ihre Zukunftsfähigkeit als Lernort mit hoher Aufenthaltsqualität sichern können. Nachdem die Verwaltung verschiedene Alternativen geprüft hat, werbe ich dafür, an unserem Modell mit einem Flaggschiff am bewährten Standort im Herzen der Stadt festzuhalten und gleichzeitig das dezentrale Angebot stetig auszubauen [...] – damit die Stadtbibliothek Köln auch künftig Maßstäbe setzt.“

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