Gastronomen planen Belebung des Peter-Fryns-Platzes für diesen Sommer, grundsätzliche Befürwortung im Rat – wenn Auflagen erfüllt sind.
Auf dem MarktplatzDer Traum vom Biergarten in der City von Bornheim rückt näher

Auf dem Peter-Fryns-Platz in Bornheim könnte noch in diesem Sommer ein Biergarten eröffnen.
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Ein frisch gezapftes Kölsch oder eine kühle Saftschorle, dazu vielleicht eine Portion Pommes frites oder einen knackigen Salat im Sonnenschein an frischer Luft mitten in der City in Bornheims „guter Stube“, auf dem Peter-Fryns-Platz?
Diese Vision haben zumindest die Bonner Gastronomen Dimitrios und Michael Stamidis. Das Vater-Sohn-Gespann möchte nämlich auf dem Peter-Fryns-Platz noch in diesem Sommer einen Biergarten eröffnen. Der wichtigste Schritt ist gemacht: Mehrheitlich, mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung von der AfD-Fraktion, beschlossen die Ratsmitglieder für den Betrieb des Biergartens eine dafür erforderliche Sondernutzungsgebühr. 1200 Euro pro Monat sollen die Gastronomen an die Stadt zahlen. Deutlich weniger jedoch, als es die Satzung von 2019 eigentlich vorsieht. Dazu später mehr.
Das ist geplant:
Ende 2024 stellten Dimitrios und Michael Stamidis ihre Idee im Rathaus vor. In Bornheim sind die beiden keine Unbekannten, bis vor einigen Jahren betrieben sie über zehn Jahre lang das „Brauhaus Kaiserhalle“ an der Königstraße, das seit Anfang 2025 einen neuen Pächter und Eigentümer hat. Die beiden möchten mit dem Biergarten den Peter-Fryns-Platz und damit die Innenstadt beleben. Benötigt wird dafür eine Fläche von etwa 234 Quadratmetern.
Der Biergarten soll im nördlichen Teil angrenzend an die Pohlhausenstraße mit Tischen, Stühlen und von dem restlichen Platz – abgetrennt durch Pflanzkübel – entstehen. Dieser Bereich kann bei Bedarf für andere Veranstaltungen jederzeit zurückgebaut werden. Fest installiert werden jedoch ein Verkaufsraum, ein Küchenbereich, ein Kühlraum sowie eine Toilettenanlage mit zwei Containern, die auch einen eigenen Strom- und Wasseranschluss erhalten. Dafür werden 45 Quadratmeter der Biergartenfläche benötigt. Diese können für sogenannte Parallelveranstaltungen allerdings nicht zurückgebaut werden.
Laut Dimitrios Stamidis soll der Biergarten an zehn Monaten im Jahr geöffnet haben: „Es ist traurig, dass die meiste Zeit im Jahr auf diesem schönen Platz nichts los ist“, erklärt der 59-Jährige der Rundschau. „Wir sind bereit, diese Herausforderung in Angriff zu nehmen“, ergänzt sein 32 Jahre alter Sohn Michael. Personal habe man bereits rekrutiert, in gut acht Wochen könne man loslegen.
Die Bedenken:
Hierfür lohnt sich ein Blick zurück: Gut zehn Jahre ist es her, als im Zuge des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) mit Landesfördermitteln die dicht befahrene Königstraße zur Einbahnstraße und der Peter-Fryns-Platz zum modernen Dorfplatz umgebaut worden ist. Begleitet war dieser mehrjährige Prozess durch zahlreiche Proteste, vor allem von Seiten des Bornheimer Gewerbevereines und der örtlichen Geschäftsleute, die Einbußen befürchteten, weil mit dem Umbau auch die kostenlosen Parkplätze auf dem Peter-Fryns-Platz weggefallen waren.
Mit dem neuen Dorfplatz sollte die City attraktiver werden, doch geschehen ist seit dem Umbau kaum etwas. Die Idee, einen Wochenmarkt zu etablieren, scheiterte laut dem städtischen Wirtschaftsförderer Sebastian Römer daran, dass die Kunden lieber direkt die Hofläden ansteuerten, um dort frisches Obst und Gemüse zu kaufen.
Das Frühlings- und Spargelfest, eine gemeinsame Veranstaltung von Gewerbeverein und Spargelbauern, war ebenfalls erfolglos, zuletzt wurden mangels Interesse und Teilnehmern sogar die Großkirmes und die Gewerbeschau „Bornheim Live!“ abgesagt. Der Weihnachtsmarkt des Gewerbevereins findet seit drei Jahren ebenfalls nicht mehr statt, stattdessen gibt es am ersten Adventssamstag eine abgespeckte Version, das „Advents Charity“, mit Livemusik, Nikolaus und einigen wenigen Buden. Vater und Sohn Dimitrios seien in zehn Jahren überhaupt die ersten gewesen, die ein Nutzungskonzept bei der Stadt vorgelegt hätten, so Römer: „Daher haben wir diese Idee positiv aufgenommen.“

Bei sogenannten Parallelveranstaltungen müsste der Biergarten jedoch weichen.
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Den Verlust der Parkplätze in der City scheint der Gewerbeverein um seinen Vorsitzenden Jörg Gütelhöfer bis heute nicht verschmerzt zu haben, von daher äußerte sich die Interessengemeinschaft in einer ersten Stellungnahme Mitte Februar zunächst ablehnend gegenüber dem geplanten Biergarten, obwohl man „vom Grundsatz her“ offen für Initiativen zur Belebung des Zentrums sei, einen Biergarten sah man aber anfänglich kritisch.
Befürchtet wurde eine Konkurrenz zur wiederbelebten „Kaiserhalle“, eine Verschärfung der angeblich bereits jetzt schon prekären Parksituation und zudem drohe laut Gütelhöfer eine Gefährdung für Brauchtumsveranstaltungen und andere Feste. Bedenken, die sowohl die CDU- und SPD-Fraktion, als auch die St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Bornheim und Botzdorf in ihren Fragenkatalogen der Stadt gegenüber äußerten.
Die Grünröcke feiern beispielsweise jedes Jahr gemeinsam mit dem Musikverein an Fronleichnam dort ihre Botzdorfer Kirmes oder sind am Maiansingen beteiligt. Nach mittlerweile erfolgten Gesprächen mit der Verwaltung sowie den beantworteten Fragen, scheinen die Sorgen ausgeräumt, auch der Gewerbeverein steht der Idee nunmehr positiv gegenüber, heißt es aus dem Rathaus.
Das sagt die Stadt:
Bürgermeister Christian Mandt (CDU) und der Technische Beigeordnete Robert Lehmann befürworten den Biergarten. Grundsätzlich gelte aber: Die multifunktionale Nutzung des Platzes bleibt stets gewährleistet. Daher wird die Sondernutzungsgenehmigung mit der Auflage versehen, die einen (Teil-)Rückbau der Gastronomie fordert, wenn dies für die Durchführung von Parallelveranstaltungen notwendig ist. Oder wie es Christian Mandt im Rat formulierte: „Solange ich Bürgermeister bin, wird es dort sowohl einen Maibaum als auch einen Weihnachtsbaum geben.“
Zurück zur Sondernutzungsgebühr, die im Rat für lange Diskussion sorgte: Damit sich der Biergarten wirtschaftlich trägt, kam die Stadt den Betreibern nämlich entgegen. „Die Gebühr muss wirtschaftlich sein, sonst ist das Konzept tot. Uns ist es wichtig, dass die Gebühr heute beschlossen wird, sonst würden die Betreiber ein Jahr verlieren“, erklärte Lehmann. Eigentlich müsste die Stadt den Betreibern dann eine deutlich höhere Abgabe in Rechnung stellen.
Abgerechnet werden nach der Satzung von 2019 zehn Euro pro Quadratmeter. Dies wären bei ungefähr 234 Quadratmetern 2340 Euro pro Monat, was für die Biergartenbetreiber wirtschaftlich jedoch nicht tragbar wäre. Daher zog die Stadt nur die fest installierten Anlagen sowie eine erste Tischreihe als Basis zur Gebührenberechnung heran und kam so auf eine Fläche von 120 Quadratmetern. Hinzu komme, dass Vater und Sohn Stamidis bei Parallelveranstaltungen ihren Biergarten zurückbauen müssten und in dieser Zeit wirtschaftliche Einbußen hätten.
Zudem sind die Gastronomen für die Räumung des Platzes bei Parallelveranstaltungen selbst verantwortlich. Die fest installierten Einrichtungen können aber in Absprache von den Vereinen mit genutzt werden. Laut Stadt soll der Biergarten wochentags von 10 bis 22 Uhr und am Wochenende bis maximal Mitternacht betrieben werden. Die Außengastronomie am Wochenende soll bis maximal 22 Uhr geöffnet bleiben. Zudem sind durch den Betreiber Pkw-Stellplätze am Platz vorzuhalten.
Stimmen aus dem Rat:
Wichtig war den Ratsmitgliedern, dass der Bürgermeister eine Anpassung der Gebührensatzung für eine Außengastronomie prüfen lässt. „Wir würden eine feste allgemeingültige Satzung begrüßen“, so Markus Hochgartz (Grüne). Ähnlich äußerten sich Michael Söllheim (CDU) und Rainer Züge (SPD). Für Anna Peters (SPD) ist wichtig, dass es zu einer vernünftigen Koexistenz zwischen den Gastronomen und den Vereinen komme.
Dirk König (UWG) sagt: „Wir müssen wieder gestalten für Bornheim, wir wollen, dass vor Ort wieder etwas passiert.“ Christian Koch (FDP) erklärt: „350 Tage im Jahr haben wir eine leblose, brach liegende Fläche. Wir dürfen den Betreibern keine Steine in den Weg legen.“
