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Fehlbetrag von 109,6 Millionen EuroKölner Messe ist an der Grenze der Belastbarkeit

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Das Geschäft der Messe ruht seit März 2020.

Köln – Die Kölner Messe leidet hart unter den Folgen der Corona-Pandemie. Seit März des abgelaufenen Jahres hat es in Köln keine Veranstaltungen mit Publikum auf dem Messegelände gegeben. So stehen für das Jahr nur 13 Messen in Köln zu Buche, darunter vier Gastveranstaltungen. Außerdem konnte die Messe sieben Veranstaltungen im Ausland organisieren. 20 statt 78 Veranstaltungen 2019 – das hat tiefe Spure in der Bilanz hinterlassen.

Der Umsatz sank auf 94,3 (2019: 412,7) Millionen Euro. Der Gewinn unter dem Strich ging von 30,5 auf minus 109,6 Millionen zurück. Dabei hat die Messe bereits im April 2020 mit der Beantragung einer seitdem andauernden Kurzarbeit, straffer Sparpolitik und weitgehendem Einstellungsstopp gegengesteuert. Die Krise führe die Messe aber an die finanziellen Grenzen.

Neue Messe-Konzepte und Geschäftsmodelle entwickelt

Jetzt wirft die Messe den Blick nach vorne. „Die Krise treibt uns an“, sagt Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung, bei der digitalen Jahres-Pressekonferenz am Mittwoch. „Sie habe die Kreativität befeuert, zu neuen Ideen motiviert und digitale Entwicklungen beschleunigt. „Die Koelnmesse hat die Zeit genutzt, um sich darauf vorzubereiten, nach der Krise durchzustarten und das Unternehmen schnellstmöglich wieder auf Kurs zu führen“, sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die Vorsitzende des Aufsichtsrats.

Die Messe hat nicht nur ein umfangreiches Sicherheitskonzept, sondern auch neue Messe-Konzepte und Geschäftsmodelle entwickelt. Messen wurden online durchgeführt, hybride Messen wurden konzipiert. Messen mit Publikum wird es freilich in Köln zunächst nicht geben.

Weitere signifikante Verluste erwartet

Die Computerspielemesse Gamescom wird vom 25. bis 27. August zum zweiten Mal nach 2020 als rein digitales Format durchgeführt wird. Dabei bleiben die Umsätze digitaler Veranstaltungen deutlich hinter denen mit Publikum zurück. Die Veranstaltungen ab September, darunter Kind + Jugend, die Zahntechnikmesse IDS und die Anuga plant die Messe als hybride Formate.

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Auch wenn im Ausland der physische Re-Start etwa durch die „interzum guangzuhou“ oder die „Anufood China“ erfolgt ist, stellt sich die Messe auf eine weitere Durststrecke ein. „Stand heute planen wir – einen Re-Start im Laufe des zweiten Halbjahrs vorausgesetzt – für 2021 mit einem Umsatz deutlich unter 200 Millionen Euro“, sagte Finanz-Geschäftsführer Herbert Marner. Und für das laufende Jahr rechnet er außerdem mit weiteren signifikanten Verlusten.

Neue Halle 1 fertig und betriebsbereit

Nach seinen Worten wurde das überdurchschnittlich hohe Eigenkapital von mehr als 250 Millionen Euro von Beginn 2020 bis zum Jahresende fast zur Hälfte aufgebraucht. Es reiche aber aus, um auch die bisher bekannten und eventuell weitere Ausfälle in 2021 zu tragen. Dies gelte bis auf Weiteres auch für die Liquidität. „Bei weiter andauernden Messeverboten werden wir in 2022 gegebenenfalls weiteren Finanzierungsbedarf haben“, so Marner. Alle Prognosen hingen natürlich ebenfalls von der weiteren Corona-Politik ab.

Die Kölner Messe hält weitgehend an ihrem Investitionsprogramm fest. Die neue Halle 1 ist fertiggestellt und betriebsbereit. Der Bau des Confex, dem zukünftigen Ort für Konferenzen, Ausstellungen, Events und ganz neue Messen, wird fortgesetzt. Das Programm wird aber repriorisiert und auf einen längeren Zeitraum bis 2034 gestreckt. Insgesamt hatte die Messe für das Programm 700 Millionen Euro vorgesehen.