Wanderung mit genialem AusblickAusflug zum Großen Ölberg im Siebengebirge

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Sommerserie Oelberg Koenigswinter Pufpaff 009 Klodt

Vom Ölberg reicht der Blick weit in die Voreifel. 

Die Vögel zwitschern, als ginge man durch eine Voliere, Buchen und Eichen streben wie in einer gotischen Kathedrale gen Himmel, Farnblätter bewegen sich im leisen Windhauch, und in der Ferne glänzt unter einem Dunstschleier der Rhein. „Irre!“, sagt Sebastian Pufpaff, holt tief Luft an einem Aussichtspunkt und zieht das Handy aus der Hosentasche.

Pufpaff ist ein Kind des Siebengebirges

„Hier war ich schon seit Jahren nicht mehr“, gesteht der Kabarettist und macht auf dem Weg zum Großen Ölberg Fotos. Im Fernsehen („Noch nicht Schicht“, „Heute Show“, „Pufpaffs Happy Hour“) trägt er gediegenes schwarzes Business-Outfit, für die Wanderung auf die mit 460,7 Meter höchste Erhebung der mehr als 50 Berge des Siebengebirges hat er sich praktisch-sportliche Klamotten angezogen. So wird er von den Spaziergängern, die ihm begegnen, kaum erkannt.

Sebastian Pufpaff, 1976 in Troisdorf geboren, ist ein Kind des Siebengebirges. Er wuchs in Rheinbreitbach auf, ging dort und in Bad Honnef zur Schule. Erinnerungen: Im Winter Schlittenfahren an der Löwenburg, im Herbst Laubrutschen im Annatal, danach ein Kakao im „Löwenburger Hof“, zum Schluss noch ein Nougatring im Café Profittlich in Rhöndorf – „spätestens dann war einem schlecht“. Er zeltete mit den St.-Georgs-Pfadfindern und schlich sich mit Freunden in die Ofenkaulen, einem Stollensystem im Ofenkaulberg bei Königswinter, in dem bis 1960 Tuffstein für den Backofenbau abgebaut wurde und das am Ende des Zweiten Weltkriegs als unterirdischer Rüstungsbetrieb diente. „Wir haben auf Bauhelme Taschenlampen gesetzt und fühlten uns wie Höhlenforscher,“ erzählt sich Sebastian Pufpaff. Heute stehen die Ofenkaulen unter Naturschutz, das Betreten ist, vor allem wegen der Einsturzgefahr, streng verboten. Die Eingänge sind versperrt.

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Rheinromantik und Nibelungensage

Auch der Ölberg ist wirtschaftlich genutzt worden. An der Südostflanke wurde im 19. Jahrhundert Basalt gebrochen, das Material täglich mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Königswinter transportiert. Wer die Landschaft zu lesen weiß, erkennt am Ölberghang noch die Abraumhalde.

Als Hunderte von Arbeitern das Vulkangestein aus dem Berg schlugen, kamen gleichzeitig immer mehr Touristen ins Siebengebirge. Sie sehnten sich bei ihren Landpartien nach Rheinromantik und ergingen sich im Grünen, gruselten sich wohlig bei der Sage vom Siegfried, der im Drachenblut gebadet haben soll - und fürchteten wegen der Steinbrucharbeiten um ihre geliebten Hügel. Der Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS), 1869 in Bonn gegründet, machte sich zum Sprecher der Landschaftsfreunde, erwarb mit Unterstützung der preußischen Regierung und potenter Geldgeber Grundstücke und erreichte 1895 eine Polizeiverordnung, die das Befahren der VVS-eigenen Wege mit Steinfuhrwerken unterband. Das war das Ende des Basaltabbaus. Einer, der sich mit der Lobby der Steinbruchbesitzer angelegt hatte, war der Bonner Justizrat Josef Humbroich. Der VVS dankte dem „wackeren, erfolgreichen Kämpfer“ mit einem Gedenkstein und einem nach ihm benannten Platz auf etwa halber Höhe zum Ölberggipfel; zwei Bänke, die ursprünglich mal einen himmlisch freien Blick ins Rheintal gewährten, laden dort zur Rast. Das Panorama bleibt hinter hochgeschossener Baumkulisse nur noch zu erahnen. Also steigen wir gleich weiter zur Spitze.

Doch kein Nationalpark im Siebengebirge

Die Konflikte zwischen den Belangen des Naturschutzes und des Tourismus sind aktueller denn je, da immer mehr Menschen Wanderschuhe schnüren oder sich aufs Mountainbike schwingen und die Berge erobern wollen. In den Jahren 2007 bis 2009 wurde deshalb darüber diskutiert, das Siebengebirge zum Nationalpark zu machen, in dem strenge Schutzregeln herrschen. Doch ein Bürgerentscheid in Bad Honnef machte die Idee zunichte.

Sebastian Pufpaff, der in Bad Honnef lebt, hat die Diskussion noch in Erinnerung und plädiert dafür, im Siebengebirge Rangerstationen, wie sie für den Nationalpark geplant waren, einzurichten, um Besucher auf die Bedeutung des Naturschutzes hinzuweisen. Auch Mountainbike-Bahnen links und rechts der Erschließungsstraßen könnte er sich vorstellen; so wären die Radler aus den Wäldern raus.

Der 45-Jährige hat in diesem Jahr für seine Sendung „Noch nicht Schicht“ (3sat/ZDF) – entstanden in der Pandemie-Zeit – den Grimme-Preis bekommen und damit einen satirischen Gipfel erklommen. Er erzählt oben am Ölberg-Gasthaus nicht ohne Stolz, dass er 118 Folgen im Homeoffice gedreht hat, täglich sieben Minuten aktuelle Kommentare zum Tagesgeschehen. Jedes Mal schauten rund eine Million Zuschauer zu, „Onkel Puffi“ wurde vielen von ihnen der gute Berater zur Nacht.

Jetzt aber zum Ölberg-Gipfel: Wieder kommt die Handykamera zum Einsatz, die Aussicht ist ja auch fantastisch: Der Drachenfels mit Schloss Drachenburg und der markanten Burgruine, die wie ein abgebrochener Knochen aus dem Bergrücken ragt, die sattgrüne Kuppel des Petersberges, am Horizont die 54 Meter hohe weiße Kuppel des Radom in Wachtberg, rechts Bonn mit dem Posttower und dem Langen Eugen und schließlich eine Insel, die sich wie ein spitz zulaufendes Schiff in den Rhein zu schieben scheint. Frage: „Was bedeutet Ihnen Rheinromantik?“ Die Antwort kommt prompt: „Insel Grafenwerth, Südspitze, Sonnenuntergang – und dann ein Bier“. Mit einem Pils kann auch der Ölberg-Wirt dienen.

Infos zum Tipp

Die Aussichtsterrasse des Großen Ölbergs bietet einen guten Blick ins Rheintal und auf die Gipfel in der Umgebung, unter anderem auf den Petersberg. Etwa auf halber Höhe des Ölberganstiegs können Wanderer zu dem benachbarten, 331 Meter hohen Berg abbiegen, Distanz: 3,8 Kilometer. Autofahrer erreichen ihn von der Landstraße 331 aus über eine Serpentinenstrecke (am Wochenende mautpflichtig), die nicht ohne Tücken ist: Sowjetführer Leonid Breschnew hat hier im Mai 1973 einen Mercedes 450 SLC, ein Geschenk der Bundesregierung, geschrottet. Wer mit der Bahn anreist, kommt vom Bahnhof Königswinter an Wochenenden und an Feiertagen mit einem Shuttlebus auf das Petersbergplateau (bis 3. Oktober, Einzelpreis 1 Euro, Hin- und Rückfahrt 1,50 Euro, Fahrplan: rsvg.de).

Der Weg zum Gipfel des Großen Ölbergs lässt sich bequem in etwa 25 Minuten bewältigen. Start: Parkplatz an der Margarethenhöhe (gebührenpflichtig).

Anfahrt: A 3 Abfahrt Königswinter, dann auf die L 331 Richtung Königswinter. Am Parkplatz beginnt auch ein 8 Kilometer langer Rundwanderweg um den Großen Ölberg, der am benachbarten Kleinen Ölberg (332 Meter hoch) vorbeiführt.

Gut zu wissen: Die rot oder gelb markierten Wander- und Radwege im Siebengebirge sollten nicht verlassen werden; wer auf Trampelpfaden vom Ordnungsdienst des Kreises erwischt wird, muss ein Knöllchen zahlen.

Fun Fact: Der Ölberg hieß ursprünglich Ma(e)lberg – das e wurde als Dehnungs-e gesprochen. Durch Lautverschiebungen kam es zum Namen Ölberg, der auch Oelberg geschrieben wird.

Das Gipfel-Restaurant (www.gasthaus-oelberg.de) ist bekannt für seine deutsche Küche und Wildspezialitäten. Tel. 02223 21919 Schlechtwetter-Tipp für Kinder: das Aquarium Sealife in Königswinter, Rheinallee 8, Tel. 01806 66690101 (www.visit-sealife.com), mit Clownfischen, Katzenhai, Adlerrochen, Axolotl und einem Korallenriff. Für Kinder und Erwachsene: das Siebengebirgsmuseum, Königswinter, Kellerstr. 17, Tel. 02223 3703 (www.siebengebirgsmuseum.de) mit Ausstellungen zur Geschichte des Siebengebirges und zur Rheinromantik.

Große und kleine Gipfel in NRW, die einen Besuch wert sind:

1. Petersberg 

Der Petersberg ist geschichtsträchtig. Im Mittelalter siedelten dort Mönche, 1896 erwarb „4711“-Chef Ferdinand Mülhens („de Naas von Kölle“) die südwestliche Hälfte des Berges samt Plateau und Gebäuden. 1914 eröffnete er dort ein Kurhotel, in dem Konrad Adenauer 1949 mit den Hohen Kommissaren der Westalliierten das Petersberger Abkommen aushandelte. 1979 erwarb die Bundesregierung die Immobilie und richtete ein Gästehaus ein, das nach der Privatisierung nun von der Steigenberger Gruppe als 5-Sterne-Hotel geführt wird. Über die Geschichte des „Gästezimmers der Bundesrepublik“ informiert eine Ausstellung im ehemaligen Wachhäuschen (schauplatz-petersberg.de). Die Bonner Autorin Anna Jonas hat eine Romanserie über das „Hotel Hohenstein“ geschrieben (erschienen bei Piper), in dem Leser unschwer das Hotel Petersberg erkennen.

2. Sophienhöhe in Jülich

Bei gutem Wetter soll vom Großen Ölberg in 63 Kilometern Luftlinie die Sophienhöhe östlich von Jülich zu erkennen sein. Diese Abraumhalde des Braunkohlentagebaus Hambach erhebt sich 290 Meter hoch. Das Gelände ist etwa 1500 Hektar groß und wird von einem 100 Kilometer langen Wegenetz durchzogen. Oben befinden sich die Aussichtspunkte „Höller Horn“ und „Römerturm“, für Gleitschirmflieger gibt es einen Startplatz.

Anfahrt: A 44, Abfahrt Jülich-Ost, weiter auf der B 55 Richtung Niederzier oder über die A 4, Abfahrt Düren oder Buir. In der Nähe der Parkplätze sind Spielplätze und Rodelbahnen. www.indeland.de oder www.Euregio-im-bild.de

3. :metabolon in Lindlar

Ebenfalls auf Abraum, nämlich einer reinen Müllkippe, angelegt wurde das :metabolon in Lindlar, Am Berkebach, ein Innovations- und Entsorgungszentrum mit tollen Freizeitangeboten. Die Hanglage und die Weite der Anlage bieten Raum für verschiedene Sportarten, für Wandern und Mountainbiken. Zu Fuß geht es über 360 Treppenstufen steil hinauf zur Kegelspitze, von der aus sich ein Rundblick über das Bergische Land bietet. Auf einer Rutschmatte kann man danach auf „Deutschlands längster Doppelrutsche“ 110 Meter runter ins Tal sausen. Die Doppelrutsche ist – nur bei trockenem Wetter - ab acht Jahren freigegeben. Eine zweite, geschwungene Rutsche, die am Fuß des Berges steht, kann von Kindern ab drei Jahren benutzt werden. Im :metabolon gibt es zudem einen Cross-Golf-Parcours, einen Mountainbike-Park, Longboarder nutzen das Areal als Abfahrtsstrecke, und der Delta Club Rheinland hat die Erlaubnis für Gleitschirmflüge. Das Gelände und die Aussichtsplattform sind bis zum Einbruch der Dämmerung zugänglich, die Doppelrutsche ist an Wochenenden und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Anfahrt mit dem Auto: Von der A 4 die Ausfahrt Engelskirchen nehmen, dann links abbiegen auf die L 302. Nach 2,5 km links abbiegen Richtung Lindlar, dann nach 1,5 km wieder links abbiegen zum Entsorgungszentrum Leppe. Parkplätze vorhanden. www.bavweb.de/metabolon

4. „De Naas von Kölle“ und der Monte Troodelöh

Der Monte Troodelöh ist mit 118,04 Metern über Normalhöhennull (NHN) die höchste Erhebung der Stadt Köln – und damit knapp vier Meter höher als Berlins Spitzengipfel, der Große Müggelberg (114,7 Meter). Das Kölner Berglein liegt im Stadtteil Rath/Heumar südlich der A 4 am Wolfsweg zwischen der Einmündung Pionier-Hütten-Weg und der Kreuzung mit dem Brück-Forsbacher Weg. Einige hundert Meter weiter steigt der Kottenforst auf 130 Meter an, aber diese Erhebung gehört zu Bergisch Gladbach. Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die durch den Kottenforst wanderten, haben den kölschen Mount Everest am 12. November 1999 „entdeckt“ und ein provisorisches Gipfelkreuz errichtet. Es wurde von der Forstverwaltung durch einen Findling mit Bronzetafel ersetzt. Die Förster bauten auch eine Gipfelhütte mit Sitzbank auf. Der Hügel ist nach den Anfangsbuchstaben der Namen seiner Entdecker Troost, Dedden und Löhmer benannt worden. www.monte-troodeloeh.de (dbr)

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Wir wünschen einen schönen Sommer!

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