Ein Ständchen zum 100. für Ludwig Sebus und eines zum 50. auf das Bornheimer Beethovenstift – fast 90 Jahre alte Bewohner haben wieder eine kölsch-bönnsche Karnevalssitzung vom Feinsten zusammengestellt.
Karneval im VorgebirgeSenioren holen sich das Kölner Dreigestirn ins Haus

Heinz-Otto Schmitz-Pranghe (l.) 2023 im Wohnstift Beethoven an der Seite von Ludwig Sebus
Copyright: H.O. Schmitz-Pranghe
Das Kölner Dreigestirn und die Bonner Tollitäten sind natürlich auch wieder dabei, wenn im Wohnstift Beethoven am 10. Februar Bewohner Karneval feiern. Für die siebte Fete, die die einstigen Kölner Karnevalsfunktionäre Heinz-Otto Schmitz-Pranghe und Ilse Prass bereits in ihrer Altershochburg organisieren, sind Bauchredner Klaus und Willi sowie die Band „Die Cöllner“ verpflichtet.
Schmitz-Pranghe blüht so kurz vor dem großen Ereignis regelrecht auf. Der achtmal elf Jahre alte Bankfachwirt, der gemeinsam mit der Kulturreferentin des Wohnstifts, Dr. Klaudia Nebelin, moderiert, hat auch gleich wieder einen Vierzeiler getextet, der das aktuelle Kölner Karnevalsmotto vorgebirgsgerecht adaptiert: „Mer fiere Fastelovend he – Erstklassig, su wie eh und je! Un wichtig es, op alle Fälle: mer dun et för Bornheim, Bonn un och för Kölle!“, reimte der Senior in Anlehnung an „ALAAF – Mer dun et för Kölle!“ aus der Dom-Stadt, wo mit der kölschen Version von „Wir tun es für Köln“ das Ehrenamt in der Brauchtumspflege betont wird. „Ohne Ehrenamt, funktioniert Karneval nicht“, sagt Schmitz-Pranghe, der in Köln jahrelang im Hintergrund Strippen zog, und seine Lebensgefährtin im Festkomitee.
Das Motto, findet Schmitz-Pranghe, schlägt eine Brücke von Köln nach Bornheim und weiter nach Bonn. Natürlich gibt es auch Orden, denn was wäre eine richtige Karnevalssitzung ohne?! Die Ehrenzeichen an einer rot-weißen Kordel liegen bereit und tragen ihren eigenen Spruch: „Verjiss de Sorje un et Leid - Et Levve dort kein Iwigkeit“. Der Ordenstext ist also der Aufruf, sich auf die begrenzte Lebenszeit zu besinnen und die verbleibende Zeit nicht den Sorgen zu widmen, sondern dem Frohsinn. Und wegen des halben Jahrhunderts, in dem es nun das Wohnstift in Bornheim gibt, sind neben einer Aufschrift zum Jubiläum der namensgebende Komponist Ludwig van Beethoven und die Wappen von Bornheim, Köln und Bonn auf Notenlinien zu sehen.
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Die Orden liegen bereit und tragen das Motto im Beethoven
Copyright: H.O. Schmitz-Pranghe
Das Programm ist bereits von Geschäftsführer Stefan Freitag und Direktorin Belgin Gündug an die Bewohner verteilt worden. Erfahrungsgemäß ist die Mitsingsitzung, bei der es auch jedes Mal eine Polonaise gibt, die meistfrequentierte Veranstaltung im gut gefüllten Kulturprogramm des Wohnstifts.
Medley zum 100. Geburtstag des Kölner Krätzje-Sängers Ludwig Sebus
Noch bevor die Roisdorfer Prinzessin Nicole I. zu Gast sein wird, heizt Heinz-Otto Schmitz-Pranghe im Duett mit dem Musiker Hännes (Johannes) Pelzer die Stimmung an. Die beiden haben sich ein kleines Medley zum 100. Geburtstag des Kölner Krätzje-Sängers Ludwig Sebus vorgenommen. Da wird auch das Trömmelchen geh'n, das bei jedem echten Kölner automatisch den Karnevalsmodus aktiviert.
„Strunz un Büggel“ sind diesmal nicht dabei, aber ein paar Damen aus dem Wohnstift, die kurzerhand beschlossen haben, mindestens das zu können, was die Männer schaffen. Als „Muuzemändelche“ („Dem leckersten Gebäck im Karneval“, findet Schmitz-Pranghe) treten sie auf und bringen Erfahrung aus dem Singkreis mit. Die Frauen hatten bei ihrer Entscheidung noch die Worte von Dr. Nebelin im Ohr, die stets betont: „Im Beethoven wohnt man nicht bloß, da bringt man sich ein.“

Gemeinsam mit seinem plüschigen Partner Willi verströmt Bauchredner Klaus Rupprecht Humor.
Copyright: Cedric Arndt
Jüngere Akteure sind aber auch dabei, nämlich die Mädchentanzgruppe der „Höppemötzjer“, denen gleich „Die Cöllner“ folgen werden. Die Musiker spielen, bis das Bonner Prinzenpaar Roland I. und Bonna Stephanie III. in den Kreis der Senioren vordringen.
Bei Punch, Kölsch, Berlinern und Karnevalstönen wird es jedenfalls ein kurzweiliger Nachmittag für die Bewohner. Der Bauchredner Klaus Rupprecht als „Klaus und Willi“ ist für humorige Unterhaltung bekannt. Ihm gehört die Bühne, bis das Kölner Dreigestirn eintrifft, und wer kann schon von sich sagen, die Kölner Narrenregenten mitten in der Session trotz der üblicherweise mehr als einem Dutzend Auftritte täglich, so weit vom Dom wegzulocken? Das klappt nur mit den alten Verbindungen von Schmitz-Pranghe und Prass.

