Außerordentliche BetriebsversammlungIn den Kölner Ford-Werken geht die Job-Angst um

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Neu gebaute Autos stehen auf Lastwagen vor dem Ford Werk. Der Fiesta macht aber im Sommer Platz für E-Autos.

Neu gebaute Autos stehen auf Lastwagen vor dem Ford Werk. Der Fiesta macht aber im Sommer Platz für E-Autos.

Bei Ford in Köln geht wieder die Angst vor Stellenstreichungen um. Am Montag hat der Betriebsrat zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung eingeladen.

Ob zwei Betriebsversammlungen am Montag die Gerüchte verstummen lassen können, ist noch offen. Offenbar befürchtet auch der Betriebsrat Kürzungen. Dabei kamen zuletzt gute Nachrichten aus dem Kölner Ford-Werk. Zwar wird der Ur-Kölner Fiesta im Sommer eingestellt und macht Platz für Elektroautos. Und damit wird auch das Motorenwerk überflüssig. Doch Geschäftsleitung und Betriebsrat hatten den etwa 600 Mitarbeitenden im Motorenwerk und denen in der Fahrzeugfertigung versichert, dass sie Jobs beim Bau der E-Autos bekommen.

Sogar Kollegen aus dem Werk Saarlouis, das im Rennen um weitere E-Autos gegen Valencia verloren hat und schließt, wenn der Focus nicht mehr gebaut wird, können in die Fertigung nach Köln wechseln, heißt es bei dem Autobauer. Es schien so, als würden hier bald mehr als die derzeit knapp 14.000 Mitarbeitenden benötigt.

Köln ist Zentrum für Ford-E-Autos in Europa

Seit Februar 2021 ist Köln „Electrification Center“ für Europa, hier wird das erste E-Auto von Ford für den Kontinent gebaut. Auf Basis einer VW-Plattform konzipierten die Entwickler in Köln-Merkenich einen mittelgroßen Crossover mit fünf Sitzplätzen, der demnächst wohl vorgestellt wird. Im kommenden Jahr folgt dann ein weiteres E-Modell.

Nun streicht aber Ford die Modellpalette kräftig zusammen. Der B-Max aus Craiova und der C-Max aus Saarlouis sind schon längst Geschichte. Auch der Mittelklassewagen Mondeo wird nicht mehr gebaut, und die auf der gleichen Plattform stehenden Vans S-Max und Galaxy laufen im Frühjahr aus. Dann kooperiert Ford noch mit VW bei den Stadtlieferwagen. VW entwickelt und baut nicht nur den Nachfolger des Caddy, sondern auch das Pendant von Ford. Ford wiederum entwickelt einen Transporter im Ein-Tonnen-Segment für beide. Auch der Nachfolger des VW-Amarok wird von Ford entwickelt und gebaut, allerdings in den USA.

Stellen in der Fahrzeugentwicklung bedroht?

Alles in allem sinkt die Zahl der Fahrzeuge, für die Ford in Europa verantwortlich ist. Das könnte bedeuten, dass im Entwicklungszentrum im Köln-Merkenich mit 3800 Mitarbeitenden viele Stellen auf der Kippe stehen oder in Aachen, wo an Verbrennern gearbeitet wird. Verantwortlich sind die Ingenieure in Deutschland für die kleineren Pkw des Konzerns, Nutzfahrzeuge werden in England entwickelt.

Die Umbauten im Kölner Werk sind weit fortgeschritten. Zu Jahresbeginn wurde eine 62 Meter lange Brücke in acht Metern Höhe gebaut. Über sie gelangen die Karosserien in die Lackiererei. Für den Umbau des Werks hatte Ford zunächst eine Milliarde Dollar freigegeben hatte, die Summe im März des abgelaufenen Jahres aber auf zwei Milliarden verdoppelte, um das zweite Modell zu fertigen. Damit steige die Anzahl der im Werk produzierten Elektrofahrzeuge auf 1,2 Millionen Exemplare innerhalb von sechs Jahren, hatte Ford damals mitgeteilt. Auch eine Batteriefertigung kommt nach Köln.

Ford muss beim E-Auto aufholen

Ford war spät dran bei der E-Mobilität, machte zuletzt aber Tempo. Der Konzern hat ein Gesamtpaket von 30 Milliarden Dollar geschnürt, die weltweit allein bis 2025 in die Elektromobilität fließen sollen. Er geht davon aus, dass der Anteil reiner E-Autos an seiner weltweiten Flotte bis 2030 auf 40 bis 50 Prozent ansteigt.

In Europa plant Ford mit einer erweiterten Palette an Pkw- und Nutzfahrzeugmodellen einen Jahresabsatz von mehr als 600 000 E-Fahrzeugen im Jahr 2026. Danach soll eine eigene Plattform die E-Auto-Fertigung weiter in Schwung bringen. Später „in diesem Jahrzehnt“, so hieß es, würden auf ihr in Valencia E-Autos gebaut.

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