Neuer Internet-Trend: Viele Menschen blicken in Sozialen Netzwerken nostalgisch auf 2016 zurück. Die Lokalredaktion beteiligt sich mit einem Rückblick auf dieses Jahr.
Nostalgie-TrendSo war das Jahr 2016 in Köln

Trotz Sturmwarnung fand der Rosenmontagszug 2016 in Köln statt. Mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen: Die Tribünen wurden von Planen befreit, damit sie nicht vom Wind weggerissen werden konnten.
Copyright: Günther Meisenberg
In den sozialen Medien schwelgen derzeit viele Menschen in Erinnerungen und blicken auf das Jahr 2016 zurück. Dabei war dieses Jahr von großen Nachrichtenereignissen geprägt – und keineswegs nur von positiven. Donald Trump trat seine erste Präsidentschaft an, Großbritannien entschied sich mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der EU. Musik-Ikonen wie David Bowie und Prince starben. „Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, ist psychologisch aber gut erklärbar, denn unser Gedächtnis speichert keine Nachrichtenlage, sondern emotionale Erfahrungen“, erklärt Psychotherapeutin Anke Glaßmeyer. Im Gedächtnis bleiben vor allem Dinge, die Menschen emotional berühren – etwa Musik, Freundschaften oder der Alltag. An Erinnerungen mangelt es nicht: Die „Mannequin Challenge“ ging viral, bei der Menschen in Videos wie in einem Standbild posieren. Songs wie „Starboy“ von The Weeknd und Daft Punk wurden veröffentlicht, und mit „Stranger Things“ startete ein Serien-Hit auf Netflix. Dies präge das Nostalgiegefühl – und diesen aktuellen Trend.
Die Jecken trotzten an Rosenmontag dem Sturm
Köln lässt sich bekanntlich nicht den Spaß verderben – vor allem nicht in der jecken Zeit. „Mer stelle alles op der Kopp“ war das Karnevalsmotto 2016 – aber stattdessen sorgten nicht die Jecken, sondern das Wetter für Chaos. Der Rosenmontagszug stand damals wegen des Sturmtiefs „Ruzica“ kurz vor der Absage. Doch die Karnevalistinnen und Karnevalisten bewiesen, dass sie nicht aus Zucker sind, und zogen den Umzug trotzdem durch. Düsseldorf und Mainz entschieden sich für eine Absage, ebenso wie zahlreiche weitere Städte in Nordrhein-Westfalen. Die kölschen Jecken setzten sich hingegen pünktlich um zehn Uhr in Bewegung – mit einem kürzeren und schnelleren Zug, damit auch die letzten Wagen noch bei Tageslicht ihr Ziel erreichen konnten. Natürlich unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen und in abgespeckter Variante: Fahnenschwenker, große Figuren sowie rund 500 Pferde durften sicherheitshalber nicht mitlaufen. „Der Zug kann jederzeit abgebrochen werden“, sagte der damalige Zugleiter Christoph Kuckelkorn.
Blutstropfen des früheren Papstes gestohlen
Eine Reliquie mit einem Blutstropfen des früheren Papstes Johannes Paul II. verschwand aus dem Kölner Dom. Offenbar handelte es sich um Diebstahl – die Täter haben die Kapsel aus einem verschraubten Schaubehälter herausgebrochen, in der sich ein Stoffläppchen mit dem Blutstropfen befand. Was die Diebe sich dabei dachten, ist unklar, denn der materielle Wert der Reliquie ist gering. Viel höher ist der geistige Wert für die Kirche. Bis heute bleibt die Kapsel verschwunden, die Ermittlungen wurden eingestellt. Doch das Erzbistum wusste sich zu helfen. Der Erzbischof bekam zum 60. Geburtstag eine Blutreliquie des früheren Papstes geschenkt und überließ sie schließlich dem Dom.
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Aus diesem Behälter wurde die Reliquie gestohlen.
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Als eine Polizistin den Flughafen lahm legte
Die junge Frau hatte es nur eilig und stürzte so den Flughafen Köln/Bonn ins Chaos. Die damals 23-Jährige mogelte sich ohne Kontrolle durch die Sicherheitsschleuse. Die Bundespolizei löste einen Großalarm aus und ließ den Abflugbereich räumen. Die Frau blieb unauffindbar. Erst nach zwei Stunden intensiver Suche und enormem Aufwand konnte sie festgenommen werden. Im Verhör stellte sich heraus, dass die Polizistin privat am Flughafen war und womöglich ihren Flug nicht verpassen wollte. Von ihrer Aktion waren rund 1000 Passagiere betroffen: Durch die Sperrung fiel ein Flug aus, zwei Maschinen konnten nicht starten und wurden geräumt. Es kam zu zahlreichen Verzögerungen und die Flüge wurden zu anderen Terminals verlegt.

Rund 1000 Passagierinnen und Passagiere waren von der Sperrung betroffen.
Copyright: Meike Böschemeyer
KVB-Rad nach Kopenhagen verschleppt
„Wanted – Wer hat unseren Drahtesel entführt?“, schrieben die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) auf ihrer Facebook-Seite. Das schmerzlich vermisste Fahrrad sandte aus rund 750 Kilometern Entfernung alle 24 Stunden automatisch Signale aus der dänischen Hauptstadt. Abfahrbereit war das Gefährt mit der Nummer 21250 obendrein auch noch. Der mutmaßliche „Entführer“: ein dänischer Mann. Drei Tage lang mietete er das Rad ohne Unterbrechung, 27 Euro kostete ihn der Spaß. 10 Euro musste er obendraufzahlen, weil er das Fahrrad außerhalb des Bediengebiets abmeldete. Die Firma Nextbike, die das Leihrad-System im Auftrag der KVB betreibt, versuchte vergeblich, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Sie erstattete Anzeige in Deutschland.

Rund 750 Kilometer war das Fahrrad entfernt in Kopenhagen.
Copyright: Thomas Banneyer
Monsterjäger auf der Domplatte
2016 war das Jahr der Pokémon-Trainer: Das Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ begeisterte Fans der kleinen Monster weltweit in kürzester Zeit – auch in Köln kam der Trend schnell an. Die App animierte Spielende dazu, nach draußen zu gehen, um mithilfe von GPS und Kamera virtuelle Pokémon in der realen Welt zu finden. Damals waren plötzlich große Gruppen von Menschen zu sehen, die gemeinsam auf der Suche nach Pikachu und Co. durch die Stadt zogen. Viele junge Leute nutzten noch die Plattform Facebook, um sich in Gruppen zu organisieren – vor allem auf der Domplatte trafen sie sich, um die virtuellen Monster zu jagen. Mittlerweile wird in den sozialen Medien scherzhaft behauptet, dass die Menschheit dem Weltfrieden wohl nie näher gewesen sei, als während des Pokémon-Go-Hypes.

Pokémon Go begeisterte weltweit viele Menschen.
Copyright: Patrick Seeger
Kletter-Trip auf den Dom für Klicks
Das Leben für Klicks riskieren: Mitglieder einer Gruppe, die sich „Visual Enemies“ nennt, kletterten ungesichert auf den Nordturm des Doms. Die Aktion war illegal und lebensgefährlich. Sie filmten die waghalsige Tat und luden das dreieinhalbminütige Video mit dem Titel „Domstürmer“ (nicht zu verwechseln mit der Mundart-Band) auf dem Videoportal YouTube hoch. Die Aktion fand offenbar an den Karnevalstagen statt – zumindest lässt das der Beginn des Videos am Hauptbahnhof vermuten, in dem Jecke in ihren Kostümen zu sehen sind. Was im Internet als Mutprobe inszeniert wurde, war eine verantwortungslose Aktion: In rund 157 Metern Höhe hätten nicht nur die Beteiligten selbst, sondern auch Menschen am Boden in Gefahr geraten können. Die Stadt Köln reagierte mit scharfer Kritik und Empörung. Sie erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Auf 157 Meter Höhe kletterte die Gruppe auf den Nordturm des Doms.
Copyright: Screenshot: Visual Enemies
Antwort auf Flaschenpost nach 40 Jahren
„Hallo Flaschenpostfinder! Mein Name ist Ingrid Müller.“ Mit diesen Worten beginnt die Flaschenpost, die die damals 15-jährige Kölnerin am 22. August 1976 während eines Urlaubs auf der Nordseeinsel Borkum ins Meer warf. Rund 40 Jahre später wurde die Flasche drei Inseln weiter westlich am Strand von Ameland angespült. Dort fand sie Judith Klein, die daraufhin eine Suchaktion auf Facebook startete. Die Geschichte ging viral: Rund 32.000 Mal wurde der Beitrag geteilt, sogar das Einwohnermeldeamt half bei der Suche nach der Kölnerin. Kurzzeitig wurde Ingrid Müller für tot gehalten, bis sich herausstellte, dass sie lediglich geheiratet hatte und inzwischen einen anderen Nachnamen trug. Schließlich trafen sich Absenderin und Finderin dank der Flaschenpost in Köln.

Ingrid Müller mit ihrer 40 Jahre alten Flaschenpost.
Copyright: dpa
